Menschen haben tendenziell eine optimistisch zuversichtliche Grundeinstellung

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Allen Unkenrufen zum Trotz spricht die psychologische Forschung dafür, dass Menschen im Durchschnitt eher optimistisch als pessimistisch in ihre eigene Zukunft blicken. In der Persönlichkeitspsychologie wird dispositioneller Optimismus als eine relativ stabile, generalisierte Erwartung verstanden, dass in der Zukunft eher positive Ergebnisse eintreten.

Scheier, Carver und Bridges haben dieses Merkmal mit dem Life Orientation Test-Revised (LOT-R) operationalisiert. Ihre Untersuchungen zeigen, dass Optimismus ein eigenständiges psychologisches Merkmal ist und nicht lediglich eine Variante von Selbstwert, geringer Ängstlichkeit oder Neurotizismus darstellt (Scheier, Carver & Bridges, 1994).

Auch große deutsche Bevölkerungsstudien bestätigen, dass optimistische Zukunftserwartungen in der Allgemeinbevölkerung verbreitet sind. Glaesmer und Kollegen untersuchten eine repräsentative Stichprobe von 2.372 Erwachsenen und ermittelten deutsche Normwerte für Optimismus und Pessimismus (Glaesmer et al., 2012). Eine weitere Untersuchung mit 9.711 Personen aus der deutschen Allgemeinbevölkerung bestätigte Optimismus und Pessimismus als empirisch messbare Dimensionen (Hinz et al., 2017).

Besonders deutlich wird die Tendenz in einer aktuellen internationalen Untersuchung von Chen und Kollegen. Die Forscher analysierten Daten von 202.898 Erwachsenen aus 22 geografisch und kulturell sehr unterschiedlichen Ländern, darunter Deutschland. Die Teilnehmenden bewerteten auf einer Skala von 0 bis 10 die Aussage: „Insgesamt erwarte ich, dass mir mehr gute als schlechte Dinge passieren.“

In allen 22 untersuchten Ländern lag der Mittelwert auf der optimistischen Seite der Skala. Selbst die niedrigsten Landesmittelwerte – Japan mit 6,74 und Großbritannien mit 6,99 – lagen klar über dem mathematischen Skalenmittelpunkt von 5. In den meisten Ländern lag der Mittelwert sogar über 7 (Chen et al., 2025).

Dieser Befund steht nicht allein: Frühere internationale Untersuchungen mit 150.048 Menschen aus 142 Ländern, 15.185 Menschen aus 61 Ländern sowie eine Metaanalyse mit rund 89.000 Menschen aus 22 Ländern kamen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Menschen über Länder und Kulturen hinweg im Allgemeinen eher optimistisch als pessimistisch eingestellt sind (Gallagher, Lopez & Pressman, 2013; Baranski et al., 2021; Fischer & Chalmers, 2008).

Eine exakte Quote, wie viele Menschen als „Optimisten“ bezeichnet werden können, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Optimismus ist keine Ja-Nein-Eigenschaft und es gibt keinen allgemein anerkannten Grenzwert zwischen Optimisten und Pessimisten. Die empirische Tendenz ist dennoch bemerkenswert eindeutig: Über sehr unterschiedliche Länder und Kulturen hinweg überwiegt im Durchschnitt die positive Erwartung an die eigene Zukunft.

Gemeint ist damit keine Blauäugigkeit oder Kritiklosigkeit. Zuversicht bedeutet nicht, Risiken zu übersehen oder Probleme kleinzureden. Sie bedeutet, Schwierigkeiten für bearbeitbar zu halten, statt vorschnell davon auszugehen, dass die eigene Anstrengung ohnehin nichts verändern kann.

Genau hier bekommt Optimismus einen Handlungsbezug. Carver und Scheier ordnen dispositionellen Optimismus in die Logik von Zielverfolgung und Selbstregulation ein: Wer gewünschte Ergebnisse weiterhin für erreichbar hält, investiert eher Anstrengung und bleibt auch bei Schwierigkeiten eher engagiert. Pessimistische Erwartungen gehen dagegen eher mit dem Rückzug von Anstrengung einher (Carver & Scheier, 2014).

Für den Arbeitsalltag lässt sich diese Haltung vereinfacht so übersetzen:

„Ich bin davon überzeugt, dass es gelingen kann, wenn ich etwas dafür tue.“

Für Führungskräfte ist dieser Befund wichtig. Organisationen müssen bei Zuversicht nicht bei null anfangen. Viele Beschäftigte bringen positive Zukunftserwartungen bereits mit. Führungskräfte können daran anknüpfen, sie durch konkrete Erfahrungen stärken und individuelle Zuversicht in eine gemeinsame Erwartung überführen:

„Wir können das schaffen, wenn wir etwas dafür tun.“

Genau darin liegt eine zentrale Führungsaufgabe – gerade wenn Veränderungen, Rückschläge und schwierige Entscheidungen den Arbeitsalltag bestimmen.

  • Wir unterstützen Sie dabei, vorhandene Zuversicht zu stärken und daraus gemeinsame Zuversicht und Handeln zu entwickeln.

Quellen: Scheier, M. F., Carver, C. S. & Bridges, M. W. (1994). Distinguishing Optimism from Neuroticism (and Trait Anxiety, Self-Mastery, and Self-Esteem): A Reevaluation of the Life Orientation Test. Journal of Personality and Social Psychology, 67(6), 1063–1078. Glaesmer, H., Rief, W., Martin, A., Mewes, R., Brähler, E., Zenger, M. & Hinz, A. (2012). Psychometric properties and population-based norms of the Life Orientation Test Revised (LOT-R). British Journal of Health Psychology, 17(2), 432–445. Hinz, A., Sander, C., Glaesmer, H., Brähler, E., Zenger, M., Hilbert, A. & Kocalevent, R.-D. (2017). Optimism and pessimism in the general population: Psychometric properties of the Life Orientation Test (LOT-R). International Journal of Clinical and Health Psychology, 17(2), 161–170. Carver, C. S. & Scheier, M. F. (2014). Dispositional optimism. Trends in Cognitive Sciences, 18(6), 293–299. Chen, Y. et al. (2025). The distribution of optimism across sociodemographic groups in 22 countries. Scientific Reports, 15, 14553. Untersuchung von 202.898 Erwachsenen aus 22 Ländern auf Basis des Global Flourishing Study. Gallagher, M. W., Lopez, S. J. & Pressman, S. D. (2013). Optimism is universal: Exploring the presence and benefits of optimism in a representative sample of the world. Journal of Personality, 81, 429–440. Baranski, E., Sweeny, K., Gardiner, G. (2021). International Situations Project & Funder, D. C. International optimism: Correlates and consequences of dispositional optimism across 61 countries. Journal of Personality, 89, 288–304. Fischer, R. & Chalmers, A. (2008). Is optimism universal? A meta-analytical investigation of optimism levels across 22 nations. Personality and Individual Differences, 45, 378–382.

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